Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
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Alkohol
Elternratgeber: Mein Kind ist zwischen 12 und 15 Jahre alt

Mein Kind ist zwischen 12 und 15 Jahre alt

Ihr Kind ist jetzt in einem Alter, in dem es wahrscheinlich zum ersten Mal Alkohol probiert. Auf der einen Seite ist das in Ordnung, denn Jugendliche müssen den Umgang mit Alkohol und Spirituosen lernen. Das geht nur, wenn sie ihre Erfahrungen damit machen können. Auf der anderen Seite ist Alkohol trinken umso gefährlicher, je früher damit begonnen wird.

Mit Suchtmitteln wie Alkohol und Zigaretten probieren Jugendliche gerne aus, wie es ist, „über die Stränge zu schlagen“. Darüber sollten Sie sich zunächst keine allzu großen Sorgen machen. Ihr Kind testet einfach nur seine Grenzen aus. Das gehört zum „Erwachsenwerden“ dazu und ist insofern zunächst einmal normal.

Warum und wie trinken Jugendliche Alkohol?

Auf die Frage, warum sie Alkohol trinken, antworten Jugendliche am häufigsten: „Weil Alkohol für gute Stimmung sorgt und ich nicht mehr so schüchtern bin.“

Jugendliche trinken Alkohol meistens nur, wenn sie mit ihren Freunden auf Partys oder in der Disco sind. Dort kommt es aber leider manchmal zu Alkoholexzessen, wobei mehrere Gläser eines alkoholischen Getränks schnell hintereinander getrunken werden. Dieses sogenannte Binge-Drinking und auch das Komasaufen sind für viele ein Austesten der eigenen Grenzen und der Versuch, die Kontrolle zu verlieren. Die Folgen sind jedoch gravierend. Ein derart hoher Alkoholkonsum im Jugendalter kann zu bleibenden Schädigungen der Hirnstruktur führen, die sich beispielsweise in einer verringerten Leistungs- und Lernfähigkeit äußern. Zudem steigt mit dem Promillewert auch das Unfallrisiko stark an, weil sich die Jugendlichen durch die enthemmende Wirkung des Alkohols überschätzen.

Die Pubertät: keine leichte Zeit für Kinder und Eltern

In der Pubertät ist es weder für Jugendliche noch für Eltern einfach, miteinander zu reden. Ihr Kind gibt sich möglicherweise sehr cool und abgeklärt. Oft fühlt es sich aber unsicher und ist gar nicht so selbstbewusst, wie es nach außen scheint. Selbst wenn Sie vielleicht wenig von den Unsicherheiten und Problemen Ihres Kindes mitbekommen, sollten Sie trotzdem für Ihr Kind da sein. Jetzt braucht Ihr Kind Ihre Unterstützung! Nehmen Sie sich Zeit, hören Sie zu, zeigen Sie Interesse und reden sie miteinander.

Was ist, wenn Ihr Kind nicht über seine Gefühle oder Gedanken sprechen möchte? Respektieren Sie dies, und bleiben Sie weiterhin mit ihm im Gespräch. Zeigen Sie Interesse an seinem Leben - auch wenn es scheint, dass Sie in dieser Zeit „wenig miteinander zu tun haben“.

Während sich manche Jugendliche in der Pubertät zurückziehen, suchen andere vielleicht die Auseinandersetzung mit den Eltern. Das ist für Sie als Eltern mit Sicherheit nicht einfach. Sie wissen wahrscheinlich oft nicht, wie Sie sich verhalten sollen. Auf der einen Seite sollten Sie nicht zu ängstlich sein und bei Auseinandersetzungen oder Provokationen überreagieren. Auf der anderen Seite sollten Sie auch nichts verharmlosen oder alles „durchgehen lassen“. Vertrauen und Kontrolle schließen sich nicht aus. Vertrauen zu haben bedeutet nicht, dass Sie keine Grenzen setzen dürfen. Im Gegenteil: Grenzen sind für Jugendliche sehr wichtige Orientierungshilfen, die ihnen Sicherheit geben.

Was kann ich als Vater, als Mutter tun?  

Auch wenn Ihr Kind schon Alkohol probiert hat, sollten zu Hause klare Regeln benannt und eingehalten werden. Eindeutige, durchgängig gültige Regeln sind für Kinder leichter zu verstehen und einzuhalten, als Regeln, die immer wieder aufgeweicht werden. Solange Ihr Kind unter 16 Jahre alt ist, sollte es beispielsweise bei der Geburtstagsparty keinen Alkohol geben. Erklären Sie Ihrem Kind, warum diese Regel sinnvoll ist - auch wenn sie ihm uncool und peinlich erscheint.

Ein paar Tipps für das Gespräch mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn:

  • Nehmen Sie Ihr Kind immer ernst. Auch wenn Ihnen das, was Ihr Kind zurzeit beschäftigt, eher „unwichtig“ erscheint.
  • Nehmen Sie sich Zeit, wenn Ihr Kind das Gespräch mit Ihnen sucht. Häufig ziehen sich Jugendliche in diesem Alter zurück, weil sie das Gefühl haben, Erwachsene hätten keine Zeit für sie und würden „ja doch nur an ihnen rummeckern“.
  • Der Freundeskreis spielt im Leben Ihres Kindes eine bedeutende Rolle. Trotzdem wirkt der Einfluss der Eltern immer noch fort. Deshalb ist es wichtig, dass Sie bezüglich Ihres eigenen Trinkverhaltens ehrlich und glaubwürdig sind.
  • Achten Sie darauf, dass es in gemeinsamen Gesprächen nicht nur noch um Kritik und Verbote geht. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieben, so wie es ist und Sie sich Sorgen machen, weil es Ihnen wichtig ist.
  • Sehen Sie nicht darüber hinweg, wenn Ihr Kind mit 15 Jahren angetrunken oder sogar betrunken nach Hause kommt oder wenn Sie den Eindruck haben, in der Clique Ihres Kindes wird zu viel getrunken. Reden Sie darüber, offen und ehrlich!

Wir haben für Sie weitere Informationen in der Broschüre »Alkohol - reden wir drüber! Ein Ratgeber für Eltern.« zusammengestellt. Hier können Sie die Broschüre downloaden und ausdrucken. Oder Sie bestellen die Broschüre hier direkt kostenlos.

Binge-Drinking

Von Binge-Drinking bzw. Rauschtrinken spricht man, wenn sehr viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird, um einen Rausch -also einen veränderten Bewusstseins­zustand- herbeizuführen.
Fünf oder mehr Standard­gläser -also mindestens 50g reinen Alkohol bei einer Trink­gelegenheit- bewirken bei den meisten Menschen einen Alkohol­rausch. Mädchen und Frauen vertragen aufgrund ihres geringeren Körper­flüssig­keiten­anteils weniger Alkohol, daher spricht man bei ihnen schon ab vier Standard­gläser von Rausch­trinken bzw. Binge-Drinking.

Komasaufen

Manche Jugendliche setzen sich ganz bewusst das Ziel, so lange zu trinken, bis sie einen Vollrausch haben. Dies kann dann im sogenannten Komasaufen und schließlich in einer Alkohol­vergiftung enden.