Ihr Kind ist jetzt in einem Alter, in dem es wahrscheinlich zum ersten Mal Alkohol probiert. Auf der einen Seite ist das in Ordnung, denn Jugendliche müssen den Umgang mit Alkohol und Spirituosen lernen. Das geht nur, wenn sie ihre Erfahrungen damit machen können. Auf der anderen Seite ist Alkohol trinken umso gefährlicher, je früher damit begonnen wird.
Mit Suchtmitteln wie Alkohol und Zigaretten probieren Jugendliche gerne aus, wie es ist, „über die Stränge zu schlagen“. Darüber sollten Sie sich zunächst keine allzu großen Sorgen machen. Ihr Kind testet einfach nur seine Grenzen aus. Das gehört zum „Erwachsenwerden“ dazu und ist insofern zunächst einmal normal.
Auf die Frage, warum sie Alkohol trinken, antworten Jugendliche am häufigsten: „Weil Alkohol für gute Stimmung sorgt und ich nicht mehr so schüchtern bin.“
Jugendliche trinken Alkohol meistens nur, wenn sie mit ihren Freunden auf Partys oder in der Disco sind. Dort kommt es aber leider manchmal zu Alkoholexzessen, wobei mehrere Gläser eines alkoholischen Getränks schnell hintereinander getrunken werden. Dieses sogenannte Binge-Drinking und auch das Komasaufen sind für viele ein Austesten der eigenen Grenzen und der Versuch, die Kontrolle zu verlieren. Die Folgen sind jedoch gravierend. Ein derart hoher Alkoholkonsum im Jugendalter kann zu bleibenden Schädigungen der Hirnstruktur führen, die sich beispielsweise in einer verringerten Leistungs- und Lernfähigkeit äußern. Zudem steigt mit dem Promillewert auch das Unfallrisiko stark an, weil sich die Jugendlichen durch die enthemmende Wirkung des Alkohols überschätzen.
In der Pubertät ist es weder für Jugendliche noch für Eltern einfach, miteinander zu reden. Ihr Kind gibt sich möglicherweise sehr cool und abgeklärt. Oft fühlt es sich aber unsicher und ist gar nicht so selbstbewusst, wie es nach außen scheint. Selbst wenn Sie vielleicht wenig von den Unsicherheiten und Problemen Ihres Kindes mitbekommen, sollten Sie trotzdem für Ihr Kind da sein. Jetzt braucht Ihr Kind Ihre Unterstützung! Nehmen Sie sich Zeit, hören Sie zu, zeigen Sie Interesse und reden sie miteinander.
Was ist, wenn Ihr Kind nicht über seine Gefühle oder Gedanken sprechen möchte? Respektieren Sie dies, und bleiben Sie weiterhin mit ihm im Gespräch. Zeigen Sie Interesse an seinem Leben - auch wenn es scheint, dass Sie in dieser Zeit „wenig miteinander zu tun haben“.
Während sich manche Jugendliche in der Pubertät zurückziehen, suchen andere vielleicht die Auseinandersetzung mit den Eltern. Das ist für Sie als Eltern mit Sicherheit nicht einfach. Sie wissen wahrscheinlich oft nicht, wie Sie sich verhalten sollen. Auf der einen Seite sollten Sie nicht zu ängstlich sein und bei Auseinandersetzungen oder Provokationen überreagieren. Auf der anderen Seite sollten Sie auch nichts verharmlosen oder alles „durchgehen lassen“. Vertrauen und Kontrolle schließen sich nicht aus. Vertrauen zu haben bedeutet nicht, dass Sie keine Grenzen setzen dürfen. Im Gegenteil: Grenzen sind für Jugendliche sehr wichtige Orientierungshilfen, die ihnen Sicherheit geben.
Auch wenn Ihr Kind schon Alkohol probiert hat, sollten zu Hause klare Regeln benannt und eingehalten werden. Eindeutige, durchgängig gültige Regeln sind für Kinder leichter zu verstehen und einzuhalten, als Regeln, die immer wieder aufgeweicht werden. Solange Ihr Kind unter 16 Jahre alt ist, sollte es beispielsweise bei der Geburtstagsparty keinen Alkohol geben. Erklären Sie Ihrem Kind, warum diese Regel sinnvoll ist - auch wenn sie ihm uncool und peinlich erscheint.
Ein paar Tipps für das Gespräch mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn:
Wir haben für Sie weitere Informationen in der Broschüre »Alkohol - reden wir drüber! Ein Ratgeber für Eltern.« zusammengestellt. Hier können Sie die Broschüre downloaden und ausdrucken. Oder Sie bestellen die Broschüre hier direkt kostenlos.
Von Binge-Drinking bzw. Rauschtrinken spricht man, wenn sehr viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird, um einen Rausch -also einen veränderten Bewusstseinszustand- herbeizuführen.
Fünf oder mehr Standardgläser -also mindestens 50g reinen Alkohol bei einer Trinkgelegenheit- bewirken bei den meisten Menschen einen Alkoholrausch. Mädchen und Frauen vertragen aufgrund ihres geringeren Körperflüssigkeitenanteils weniger Alkohol, daher spricht man bei ihnen schon ab vier Standardgläser von Rauschtrinken bzw. Binge-Drinking.
Manche Jugendliche setzen sich ganz bewusst das Ziel, so lange zu trinken, bis sie einen Vollrausch haben. Dies kann dann im sogenannten Komasaufen und schließlich in einer Alkoholvergiftung enden.