Mann mit Brille benutzt Tablet.

Alkohol & Burnout

Müde Frau im Büro
Bild: Poike / iStock

Überarbeitet, erschöpft, ausgebrannt: Immer mehr Deutsche leiden an Burnout. Wie erkennt man Burnout und welche Hilfe gibt es?

Wenn Stress krank macht

Noch nie gab es so viele Ausfalltage im Job wegen psychischer Erkrankungen: Insgesamt 17 Prozent aller Krankschreibungen gehen auf seelische Leiden wie Depressionen oder Burnout zurück. Damit hat sich die Zahl der Fehltage in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht wie eine Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit ergeben hat.

Kein Wunder – denn unsere moderne Arbeitswelt ist von Leistungsdruck, Überstunden und ständiger Erreichbarkeit geprägt. Das setzt viele Arbeitnehmer unter Stress und endet nicht selten im Burnout. 

Burnout – was genau ist das?

Der Begriff "burn out" kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt "ausbrennen". Ein Burnout bezeichnet einen Zustand starker emotionaler und körperlicher Erschöpfung durch chronische Überforderung. Manche Symptome überschneiden sich mit den Beschwerden einer Depression. 

Die Burnout-Spirale

Insbesondere hoch motivierte Menschen mit einem Perfektionsanspruch geraten in die Burnout-Falle. Gefährdet sind alle, die dauerhaft einen zu hohen Einsatz bringen und dafür auf einen geregelten Feierabend und Freizeit verzichten. Bei Angestellten ist Burnout ebenso verbreitet wie bei Selbstständigen oder berufstätigen Müttern.

Doch irgendwann fordert der hohe Einsatz seinen Preis. Die Betroffenen fühlen sich ausgepowert, müde, leer, kraftlos. Anstatt sich zu erholen, zwingen sie sich zu noch mehr Leistung. Körperliche Symptome wie Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, Schmerzen oder Schwindel werden ignoriert oder mit Medikamenten bekämpft. Tagsüber wird der Körper mit Kaffee und Aufputschmitteln zur Leistung gezwungen. Am Abend ist Abschalten nur noch mit viel Alkohol, Schmerz- oder Schlafmitteln möglich. 

Alkoholkonsum als Burnout-Warnsignal

Dass übermäßiger Alkoholkonsum und Burnout oft zusammenhängen, verwundert nicht: Alkoholische Getränke vermitteln zunächst ein Gefühl der Entspannung und Beruhigung. Ähnlich wie ein Betäubungsmittel dämpft Alkohol die Erregbarkeit bestimmter Nervenzellen und mindert die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Zugleich setzt das Gehirn Endorphine frei. Deshalb glauben Betroffene, dass sie mit Alkohol den belastenden Gedanken und Stress tatsächlich entfliehen können.

Doch die Wirkung verfliegt nach etwa zwei Stunden wieder und der Körper kann Stress nun noch schlechter abbauen. Der Körper kommt folglich schneller an seine Leistungsgrenzen und muss Ressourcen mobilisieren, die aber nicht mehr vorhanden sind. Wenn Abschalten und vermeintlicher Stressabbau nur noch mit dem Konsum von Alkohol möglich zu sein scheinen, sollte dies als Warnsignal erkannt werden.

Weitere Warnsignale, die auf einen Burnout hinweisen:

  • Keine Erholung: Wenn auch Urlaube das Gefühl der Erschöpfung nicht verringern – und das über einen längeren Zeitraum hinweg.
  • Keine Motivation: Wenn Sie der Job nur noch quält und Sie jede Freude an der Arbeit verloren haben.
  • Keine Energie: Lustlosigkeit, kein Appetit, ­Mattigkeit. Wenn Sie große Energie für Dinge aufbringen müssen, die sonst leicht zu erledigen ­waren.
  • Schlafstörungen: Wenn Sie über eine längere Zeit Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen haben. 
  • Sozialer Rückzug: Sie ziehen sich immer mehr zurück, sagen Treffen mit Freunden ab und haben keine Lust mehr auf Gesellschaft.
  • Medikamente und Drogen: Nehmen Sie vermehrt Medikamente und Drogen, um sich aufzupuschen und wieder zu beruhigen?

Kommen Ihnen die beschriebenen Symptome bekannt vor? Dann ist es höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen. Ein Burnout zwingt Menschen auf sehr radikale Art, ihr Verhalten, ihre Einstellungen und Überzeugungen zu überdenken, weil es so wie bisher nicht weitergehen kann.  Machen Sie sich klar, dass Leistung nicht allein auf Willenskraft basiert. Der Mensch ist keine Maschine. Der Körper, die Nerven, die Seele brauchen Phasen der Regeneration. Die Batterien müssen aufgeladen werden. Eine permanente Überbelastung ist auf Dauer nicht zu bewältigen.  

Seien Sie gut zu sich selbst

  • Hören Sie auf Ihren Körper. Lassen Sie die Arbeit los und gönnen Sie sich Ruhephasen.  
  • Versuchen Sie tagsüber weniger Kaffee zu trinken und lassen Sie Aufputschmittel weg. Dies kann Ihnen helfen, abends besser zu entspannen.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum. Alkohol belastet den Körper zusätzlich und verhindert einen gesunden, erholsamen Schlaf. Bewegen Sie sich lieber an der frischen Luft, joggen Sie eine Runde durch den Park oder treffen sich mit Freunden, um den Kopf frei zu bekommen. Hören Sie eine Entspannungs-CD oder trinken Sie einen Baldriantee, um besser einschlafen zu können.
  • Planen Sie feste „Auszeitinseln“, wie einen Wandertag mit Familie und Freunden. Suchen Sie sich regelmäßige körperliche Aktivitäten, bei denen sich Ihr Körper und Ihre Seele regenerieren kann. Sport macht den Kopf frei und regt das Herz-Kreislaufsystem an, deshalb fühlt man sich danach sehr viel entspannter.

Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie Burnout-Symptome an sich wahrnehmen. Ein erster Schritt kann ein vertrauliches Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sein. Wenn Ihnen Ihr Alkoholkonsum Sorgen macht, können Sie sich an die Telefonberatung der BZgA  wenden. Sie informiert Sie auch über Beratungsstellen in Ihrer Nähe. Eine ersten Einschätzung zu Ihrem Alkoholkonsum kann Ihnen der Selbsttest geben.