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Null Promille aus 100 % Überzeugung

Der 43-jährige Holger Weiss trinkt keinen Alkohol und hat noch nie welchen getrunken - und das ohne gesundheitliche Notwendigkeit oder religiöse Beweggründe.

Interview mit einem, der nie Alkohol trinkt

Holger Weiss trinkt keinen Alkohol. Und zwar freiwillig. Er ist weder krank, noch verbietet ihm eine Religionszugehörigkeit den Alkoholkonsum. Der 43-jährige ist auch kein Sonderling. Der Vater von vier Söhnen ist Unternehmer und nimmt als 1. Vorsitzender des örtlichen Sportvereins aktiv am gesellschaftlichen Leben teil.

Herr Weiss, warum trinken Sie keinen Alkohol?

Alkohol und insbesondere Bier haben mir nie sonderlich geschmeckt. Ich habe zwar als Junge dann und wann bei meinem Großvater oder meinen Eltern am Glas genippt, aber ich mochte den Geschmack nie. Meine Eltern trinken zwar Alkohol, aber nicht in Mengen, eher mal ein Gläschen Wein oder einen Schnaps - und sie haben mir den Alkoholkonsum nie verboten. Mein Bruder trinkt ab und zu Bier. Letztendlich ausschlaggebend war der sportliche Aspekt. Ich habe in meiner Jugend viel Sport getrieben. Zuerst Geräteturnen und später Volleyball. Ich fand, dass Sport und Alkohol nicht zusammenpassten - hier haben sicher auch entsprechende Anti-Alkohol-Kampagnen ihren Teil dazu beigetragen. Und weil mir Bier sowieso nicht schmeckt, fiel es mir ganz leicht, nicht zu trinken.

Treiben Sie noch immer aktiv Sport?

Ja, ich spiele Volleyball in der Landesliga für den hiesigen Sportverein. Ich bin mit dem Vereinssport quasi groß geworden. Erst als Turner, dann als Helfer und schließlich als Übungsleiter. Bei den Volleyballern war ich später Abteilungsleiter. Heute bin ich 1. Vorsitzender des Vereins mit rund 3.000 Mitgliedern.

Haben Sie sich als Jugendlicher ausgeschlossen gefühlt?

Ausgeschlossen nicht. Aber als 16- bis 25-Jähriger wird man schon geneckt, wenn man keinen Alkohol trinkt, und man bekommt trotzdem immer wieder ein Bier angeboten und muss sich erklären. Das kann nervig sein. Glücklicherweise hatte ich einen guten Freundeskreis, der mich nie unter Druck gesetzt hat. Als Trainer von Jugendlichen habe ich mich zudem als Vorbild gefühlt. Wobei ich nie versucht habe, andere vom Alkohol abzubringen. Ich wollte nur mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es auch ohne geht. Vielleicht diente mein Nicht-Trinken mir auch ab und zu als Alleinstellungsmerkmal, das mich von anderen abgrenzte und mich interessant machte.

Wie ging es Ihnen als Jugendlicher, wenn alle rundherum feuchtfröhlich am Feiern waren?

Im Grunde habe ich wie alle anderen mitgefeiert - das geht auch ohne Alkohol ganz prima. Das Aufdrängen von Alkohol kann, wie gesagt, nervig sein. Außerdem fühlt man sich am späten Abend ab und zu einsam, wenn die anderen alle betrunken sind. Dann kann die Party schon mal langweilig werden. Manchmal hatte ich auch den Eindruck, dass die anderen den Alkohol als Ausrede nutzten für irgendeinen Blödsinn, den sie anstellten. Am Ende des Abends war ich oft als Fahrer gefragt. Letztendlich waren alle froh, dass einer nüchtern war und fahren konnte. Das war völlig okay für mich. Dann kam das Studium und ich musste mich wieder erklären. Meist sagte ich einfach: "Ich mag Alkohol nicht."

Sind Sie wirklich nie in Versuchung geraten Alkohol zu trinken?

Nein, eigentlich nicht. Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob meine konsequente Haltung vielleicht übertrieben ist. Dann kamen Gedanken wie "Wenn ich das Glas Sekt zu Sylvester jetzt austrinke, würde das an den sportlichen Zielen nichts ändern" oder "Einen einzigen Cocktail in der Bar mitzutrinken, macht mich noch nicht betrunken". Ich habe aber immer an meinen Prinzipien festgehalten, zumal mir der Verzicht wirklich gar nichts ausmachte - bei Süßigkeiten fällt mir das schon sehr viel schwerer. Ab der Pubertät und bis zum Studium kamen im Zusammenhang mit Mädchen manchmal Gedanken, ob sich der Alkoholkonsum vielleicht positiv auf das "Anbaggern" auswirken könnte. Aber das hat mich nie bewogen, es auszuprobieren.

Was trinken Sie statt Alkohol?

Auf Partys trinke ich Cola oder Säfte. Ich lasse mich nicht unter Druck setzen, auch wenn ich der Einzige bin, der keinen Alkohol trinkt. Da stehe ich darüber. Wenn ich merke, dass alle rundherum langsam beschwipst werden und kein spannendes Thema mehr aufkommt, verabschiede ich mich meistens. Seit ein paar Jahren, spätestens seit wir Kinder haben und oft mit anderen Eltern zusammen sind, ist der Alkoholkonsum kein großes Thema mehr. Ein freundliches "Danke, ich trinke nicht" reicht völlig aus. Ich glaube auch, dass die Akzeptanz in den letzten Jahren durch entsprechende Kampagnen gestiegen ist.

Was trinken Sie zu einem feierlichen Essen oder an Sylvester?

Zu einem guten Essen trinke ich Wasser, Orangensaft oder Cola. An Sylvester oder bei Empfängen nippe ich schon mal an einem Sekt, lasse das Glas aber oft halb voll stehen. Weil meine Frau und ich in den letzten Jahren mit den Kindern feiern, gibt es bei uns jetzt Sekt ohne Alkohol, dann trinke ich natürlich den.

Trinkt Ihre Frau Alkohol?

Ja, aber nur in Maßen. Hin und wieder ein Glas Wein oder Schnaps. Weil wir aber in den letzten acht Jahren vier Kinder bekommen haben, hat sie während der Schwangerschaften und Stillzeiten überhaupt keinen Alkohol getrunken. An manchen Abenden bedauert sie schon mal, dass ich nicht ein Glas Wein mit ihr trinke, es ist aber kein Problem für sie. Wir hoffen natürlich, dass unser maßvolles Verhalten unsere Kinder beeinflusst, sodass sie später ihren Alkoholkonsum in Grenzen halten. Vielleicht folgt ja auch einer meinem Beispiel und verzichtet ganz.

Wie stehen Sie zu Alkohol im Essen, beispielsweise Rotwein im Braten?

Kein Problem, das esse ich. Das sind ja nur kleine Mengen Alkohol. Ich betrachte das als Zutat. Ich mag auch durchaus Nachtische, Kuchen und Pralinen mit Alkohol. Hauptsache es schmeckt.

Vielen Dank, Herr Weiss!