Mann mit Brille benutzt Tablet.

Für Angehörige

Hinsehen ist der erste Schritt

Überall leere Flaschen in der Wohnung, die klassische Alkoholfahne, Gleichgewichtsprobleme, Lallen: Manche Anzeichen für ein Alkoholproblem sind eindeutig. Andere sind es weniger, vor allem wenn Symptome wie Zittern, Schwindel oder Stimmungsschwankungen auch schlicht Alterserscheinungen sein könnten. Aus diesem Grund und weil sie tendenziell eher zu Hause und alleine trinken, bleiben Alkoholprobleme bei älteren Menschen häufig lange unbemerkt. Gerade deshalb sollten Sie es ansprechen, wenn Sie den Verdacht haben, dass jemand in Ihrem Umfeld regelmäßig zu viel trinkt oder Alkohol zum Beispiel einsetzt, um Sorgen, Probleme und Ängste zu vergessen.

Ein Anzeichen für einen problematischen Umgang mit Alkohol kann zum Beispiel ein Alkoholversteck sein, das Sie entdecken. Oder bittet Sie jemand immer wieder, bei Ihren Besuchen Alkohol mitzubringen? Bemerken Sie, dass das Geld bei Ihrem Gegenüber immer knapper wird und er oder sie viel mehr verträgt als früher? Dann sollten Sie reagieren.

Suchen Sie das Gespräch

Vater und Tochter führen ein Gespräch
Bild: iStock / KatarzynaBialasiewicz

Wichtig ist der passende Zeitpunkt für das Gespräch und das Sie sich darauf vorbereiten. Notieren Sie sich beispielsweise die Situationen, die Ihnen in letzter Zeit aufgefallen sind. Verhält sich die Person anders als sonst? Was tut Sie? Wichtig ist, dass Sie vermeiden, Ihrem Gegenüber Vorwürfe zu machen. Zeigen Sie vielmehr, dass Sie sich sorgen und möchten, dass es dem anderem gut geht. Erläutern Sie die Situationen und die Verhaltensveränderungen, die Ihnen in letzter Zeit aufgefallen sind. Nutzen Sie dabei sogenannte Ich-Botschaften. Mit Formulierungen wie "Ich habe den Eindruck, dass…" und "Ich beobachte, dass…" können Sie verhindern, dass sich der Angesprochene angegriffen oder bloßgestellt fühlt.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihr erster Versuch, über Ihre Beobachtungen zu sprechen, abgewiesen wird. Es ist ein schwieriges Thema und viele Betroffene schämen sich für ihre Probleme im Umgang mit Alkohol. Bleiben Sie dran und zeigen Sie dem anderen, dass Sie ein offenes Ohr für seine oder ihre Sorgen haben.

Setzen Sie auf professionelle Unterstützung

Weit verbreitet ist leider die Meinung, dass ältere Menschen sich nicht ändern wollen oder können. Das stimmt nicht. Die Bereitschaft, lebenslang zu lernen, haben natürlich auch viele Ältere. Viele Betroffene wissen vielleicht nicht, an wen sie sich wenden können. Sie können Ihren Vater, Ihre Oma oder Freundin deshalb unterstützen, indem Sie ihn oder sie beispielsweise auf Beratungsstellen in der Nähe aufmerksam machen – oder auf das BZgA-Infotelefon. Hier finden Betroffene anonym und kostenfrei Hilfe. Und nicht nur Betroffene: Auch Sie als Angehöriger oder Angehörige können die Experten der BZgA anrufen und sich beraten lassen. Zudem bieten viele Suchtberatungsstellen auch Informationen und Unterstützung für Angehörige an.

Einen Ihnen nahestehenden Menschen auf dem Weg aus der Abhängigkeit zu begleiten, ist oft nicht einfach. Aber es lohnt sich. Suchtprobleme oder der riskante Konsum im Alter lassen sich durchaus anpacken und verändern. Studien zeigen: Eine Beratung oder Behandlung wirkt sich positiv auf die Gesundheit und die Lebensqualität aus!