Bierchen? Nö, heut mal nicht.

von Ben 20.02.2018

Die Mission, 7 Wochen kein Alkohol, ist in vollem Gange und als hätte sich die Welt gegen mich verschworen, erreichen mich täglich diese kleinen Aufrufe zum verbotenen Genuss. Egal ob ein „Bierchen?“ per WhatsApp, eine Redaktionssitzung bei Burger und Bier oder Geburtstagseinladungen… alle wollen sie mich in den hopfigen Abgrund zerren. Gefühlt wirkt es so, als ob sich alle für die nächsten Tage abgesprochen hätten.

Neonschild mit der Aufschrift "Bar".
Bild: TeerawatWinyarat / iStock

 

Die erste große Herausforderung war dann auch gleich der 30. Geburtstag meines besten Freundes, der extra für diesen Anlass eine Bar gemietet hatte. Gebührend und nach bester Art des Gastgebers sollte der Abend feucht fröhlich werden, doch leider ohne mich. Ein wenig entgegen kam mir der Umstand, dass meine kleine Fastenzeit derzeit in aller Munde ist und der Grund meines Verzichts für viele bereits auf der Hand lag. Außer einem verdutzten „echt?“ und einem reumütigen „Hut ab, das könnte ich heute nicht.“ ließen mich Freunde und Bekannte tatsächlich in Ruhe. Und das verwunderte mich dann doch. Nur allzu gut konnte ich mich an fahrige Wirtshausbedienungen erinnern, die Freunde spöttisch zurechtwiesen, wenn sich bei all dem Bier auch mal eine Cola oder ein Spezi auf den Bestellzettel verirrt hatte.

Ein mir von der Bar mitgebrachtes Bier fand an diesem Abend fix einen anderen dankbaren Abnehmer. Die von mir bereits entlarvte Routine war aber nicht leicht zu durchbrechen, da mein erster Gedanke auf die Frage des Barkeepers natürlich „Ein Helles!“ war. Die überaus überschaubare Menükarte machte es mir ebenfalls nicht leicht, sodass ich für den kalten Entzug tatsächlich bei Wasser mit etwas Schuss blieb. Ein Schnitz Limette, der ansonsten die Longdrinks zierte, sollte meine Rettung vor dem Tod durch langweilige Getränke sein.

Der Partyexzess blieb glücklicherweise dank eines Wochentags aus. Die Sorge nicht „mitreden“ zu können oder die, dass mein „Flow“ nicht kompatibel mit dem der anderen wäre, erübrigten sich also größtenteils. Einzig meine Müdigkeit wurde mir zu späterer Stunde bewusster, als sonst, wenn ich sie im Bierglas zu versenken pflege. Eine für meine Verhältnisse frühe Heimreise wurde mir auch nicht weiter verübelt. Sieh an!

Wesentlich schwerer fiel es mir im Laufe der ersten Tage, diverse Bierchen-Anfragen charmant umzukehren. Aus Angst vor großen Erklärungsversuchen entschied ich mich meist für die Radikal-Kur und sagte einfach komplett ab. Wo keine Versuchung, da auch keine Sorge, jedoch machte sich schnell Enttäuschung in meinem Umfeld breit. Extrem positiv zu verbuchen war aber der Umstand, zwar unterwegs gewesen zu sein, aber um einiges fitter aufzuwachen und in den nächsten Tag zu starten. Ein wirklich unbezahlbares Gefühl, wenn man an den einen oder anderen Kater zurückdenkt.

Das erste Fazit fällt also gemischt aus. Die Frische am nächsten Morgen mag zwar gut tun und mich den Sinn des Fastens erkennen lassen, doch Freunden abzusagen und komplett zu verzichten, daran werde ich noch arbeiten müssen. Sicherlich ist das aber nur eine Frage der Gewohnheit, weswegen ich diverse Einladungen in Zukunft charmant zu meinen Gunsten modellieren will. Ziel der nächsten Woche soll es sein, nicht auf Genuss zu verzichten, sondern feine Alternativen zu finden, die mir den Abend mit Freunden doch noch versüßen.

Um die Challenge ein wenig auszuweiten, will ich das Fasten aber auch auf ein weiteres Laster ausweiten: zu viel Cola. Es wird also noch spannend!

 

1 Kommentar

Marcus, am 21.02.2018 um 08:54

Bei mir ist es so, dass ich (gleichermaßen) Widerstände vor allem aus Reihen der Kumpels erwartet hätte. Hier und da gab es die auch. Haben sich aber jetzt, nach 7 Tagen fast schon erledigt (was mich doch etwas überrascht hat). Der Druck kommt jetzt aus einer anderen Ecke. Hab ich Anfangs an der Fastenaktion hier teilgenommen um es einfach mal "auszuprobieren" packt mir jetzt gerade unerwartet stark der Ehrgeiz, das Ganze auch durchzuziehen. Naja 1 von 7 hab ich immerhin schon. OK hab ich gut gemacht. Jetzt will ich allerdings mehr :-)

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