Die individuelle Balance finden

von Dorothée 05.05.2017

Eine Frau steht mit geschlossenen Augen in einem Feld
Bild: Probuxtor / iStock

Vorfreude

Nun war der Tag gekommen. Es war Ostersonntag, die Familie war zum Osterschmaus eingeladen und der kleine Weinkühlschrank, der kürzlich per Zufall in unserem Wohnzimmer Einzug hielt, reichhaltig befüllt.

Ich muss sagen, ich freute mich schon ein wenig auf den Moment des Fastenbrechens. So wie ich mich für hochwertige Lebensmittel und eine kreative Küche begeistern kann, beglückt mich auch ein guter Wein, bei dessen Herstellung ebenfalls ein Naturprodukt mit einer Verarbeitungskunst zusammenkommt.

Die Flasche wurde geöffnet, ich nahm den ersten Schluck zu mir und es war – köstlich!

Eine Frage des Dualismus?

Auf eine gewisse Weise hatte ich mir gewünscht, dass ich nach den sechs Wochen Verzicht gar keinen Gefallen mehr daran finde. Aus, Ende, Vorbei. Tschüss Alkohol. Wir hatten‘s gut zusammen, aber das war’s mit uns. Für immer. Leb’ wohl!

Ach schön, solch eine Schwarz-Weiß-Denke. Sie vermag es, einem für einen kurzen Moment zu suggerieren, dass wir in einer Welt des Dualismus leben, in welcher man sich entweder für das eine oder das andere entscheiden kann. Das würde es vereinfachen, Haltungen einzunehmen und Entscheidungen zu treffen – vermeintlich.

Aber so ist es für mich nicht. Für mich ist es vielmehr unsere Lebensaufgabe, Gegensätzliches miteinander zu verbinden, das Beste aus beiden Bereichen zusammen zu führen, um zu unserer individuellen Balance zu finden. So wie man es vom Yin und Yang Prinzip aus der chinesischen Philosophie kennt.

Eine Frage der Dosierung

So möchte ich mich gar nicht den gelegentlichen Genussmomenten berauben. Kulinarisch, aber auch gesellschaftlich und kulturell. Gleichzeitig möchte ich nie meine Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber dem Thema Alkohol verlieren. Ich war schon negativ überrascht, wie leicht man nach sechs Wochen Abstinenz gleich wieder den Einstieg findet.

Alkohol ist und bleibt ein Zellgift! Bereits bei als weitläufig gering erachteten Mengen vermag er unserem Körper – und in Verlängerung Geist und Seele – zu schaden.

Aus diesem Grund bin ich dankbar für die sechs Wochen Achtsamkeitstraining. Und aus den genannten Gründen wird es auch definitiv nicht meine letzte Fastenzeit gewesen sein. Denn selbst mit Plädoyer für den Pluralismus kann ich sagen, dass meine Freudenmomente, ob der Entsagung, einen größeren Anteil ausgemacht haben, als die Verzichtsmomente.

Wie so vieles im Leben – auch der Umgang mit Alkohol bleibt eine Frage der Dosierung.

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