"Ich glaube, ich habe ein Fastenhoch"

von Dorothée 17.03.2017

Ein junge Frau steht mit ausgestreckten Armen an der Ostsee.
Bild: Marco_Piunti / iStock

Als ich mich vor einigen Wochen dafür entschied, dieses Jahr Alkohol zu fasten, musste ich beim Blick auf den Kalender kurz seufzen. Da war dieses lang ersehnte verlängerte Wochenende mit Freunden an der Ostsee. Schon ewig geplant, weil wir im Trubel des Alltags so selten zusammenkommen. Und dieses Hotel! Toller Wellnessbereich und eine Auswahl von verschiedenen Restaurants mit wunderbaren Speisenkarten. Und die Weinauswahl erst: Die halbe Lobby ist mit einem Weinkühlschrank durchzogen, um die guten Tropfen perfekt zu temperieren.

Nun prangte neben dem Kalendereintrag "Wellnesswochenende mit Freunden" die Notiz "Alkoholfastenzeit". Ich war gespannt, wie es mir ergehen würde und habe mich auf so einige Verzichtsmomente eingestellt, denn verführerischer konnte es ja nicht sein.

Lust auf etwas Prickelndes

Was soll ich sagen? Es kam ganz anders als erwartet: Da war nur dieser eine Verzichtsmoment! Am Nachmit-tag des Anreisetages wusste ich mich nach einem unerwartet turbulenten und emotionalen Vormittag endlich im Kreise meiner liebsten Freunde. Der Druck fiel ab, die Freude war groß und meinen Gaumen dürstete es nach etwas Prickelndem zum Anstoßen und Genießen. Crémant & Co. war ja nun keine Option und so wurde mir ein frisch gemixter Smoothie aus Ananas, Orangensaft und Ingwer serviert – köstlich und erfrischend.

Rückblickend ist mir bewusst, dass es mich da nicht nach einem Glas Crémant, sondern viel mehr nach einem Ventil für meine angestaute Energie dürstete. Ein heißer Saunagang war da aber definitiv die bessere Wahl. Und es wurde immer besser: Das stille Mineralwasser zum Essen machte die einzelnen Zutaten noch schmeckbarer und der grüne Tee anstatt des Cocktails am Kamin der Hotelbar war ein Digestif im eigentlichen Sinne: ein Verdauungsgetränk, das mich wunderbar schlafen ließ.

Fasten – Aufgeben und Aufladen

Genau das soll die Fastenzeit doch auch bewirken: Wir geben zeitweise etwas auf, um unsere Achtsamkeit zu schärfen und auf verschiedenen Ebenen zu entrümpeln. Wir entgiften nicht nur körperlich, sondern reinigen auch Geist und Seele und gelangen somit näher an unserer Essenz. So sind wir bereit für die nächste Phase: das Aufladen. Wir sind bereit für die Inspiration. Wobei es nicht nur um die geistige Inspiration geht, sondern auch um die körperliche, um das Einatmen im buchstäblichen Sinne (lat. Inspiratio = Einatmen).

Das tolle Erlebnis für mich war, dass es sich nach diesem einen kleinen Verzichtsmoment gar nicht wie ein Verzicht angefühlt hat, sondern entlastend im besten Sinne des Wortes. Es war keine Option, in die Weinkarte zu schauen. Es war keine Option, ein zweites Glas zu bestellen. Es war keine Option, noch eine Stunde an der Hotelbar zu verbringen, obwohl der Körper alle Zeichen fürs Schlafengehen gegeben hatte. Es war nicht der Umstand, am nächsten Tag mit Kopfweh aufzuwachen.

Wie sagte Hermann Hesse: "Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen." Auf mich ist das einfach so zugekommen, das Loslassen. Was für ein tolles Gefühl!

Leute, ich glaube, ich habe ein Fastenhoch!

1 Kommentar

Barbara Vienna :-), am 18.03.2017 um 14:26

Ich stimme zu und so sehr ich mich schon jetzt auf ein Glas Wein freue (am liebsten mit dir :-)), ist es mehr als eine gute Idee, dem Körper mal eine Auszeit zu geben!

Neuen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert (*).
Der Kommentar wird vor Veröffentlichung von der Redaktion geprüft. Sobald Ihr Kommentar online ist, benachrichtigen wir Sie per E-Mail.