Gespannt auf sechs Wochen ohne

von Johannes 01.03.2017

Ein Mann schaut im Supermarkt auf die langen Regale mit alkoholfreien Getränken.
Bild: mediaphotos / iStock

Heute beginnt also die sechswöchige Fastenzeit und ich bin fast ein bisschen aufgeregt. Nicht so sehr, weil ich mir nicht zutrauen würde, sechs Wochen lang vollständig auf Alkohol zu verzichten. Nein, ich bin einfach gespannt, wie es sein wird. Schließlich habe ich in der vergangenen Jahren auch immer mal wieder nichts getrunken: im Januar, wenn man dem Körper nach den Weihnachtstagen und einer ordentlichen Silvester-Sause ein bisschen Pause gönnen will, oder mal drei Wochen beim Detox.

Andererseits – sechs volle Wochen? Das ist schon eine Hausnummer. Mein alter Herr und ein paar meiner Freunde machen jedes Jahr Alkoholfasten. Die meisten dann allerdings mit einigen Jokern, also erlaubten Ausnahmen. Das finde ich aber irgendwie schwach. Ich halte es da eher mit dem Motto "Ganz oder gar nicht". Ob ich das aber tatsächlich durchhalte? Das muss sich erst noch zeigen.

Die erste ernsthafte Herausforderung

Vor einigen Tagen hat mich eine Freundin zu ihrem Geburtstag eingeladen: am 3. März, einem Freitag. Es gibt etwas zu Essen, viele gemeinsame Freunde und Bekannte – und natürlich reichlich Crémant, Bier und andere alkoholische Getränke. Also alle Zutaten für das, was man anderntags mitunter leicht verkatert einen lustigen Abend nennt. Beim Abschicken meiner Zusage dachte ich mir: Okay, das wird dann gleich die erste ernsthafte Challenge.

Was mir ansonsten schon jetzt auffällt, ist, wie meine Wahrnehmung immer stärker in Richtung Abstinenz geht. Am Wochenende habe ich in der Zeitung unter der Überschrift "Neuer Geist im Glas" einen langen Artikel über den Gastro-Trend "Saft- statt Weinbegleitung zum Menü" gelesen. Und im Radio gab es einen Beitrag zum selben Thema. Kreationen wie Ginger Beer, Rhabarbersaft, Limette und Fenchelsamen klingen auch recht lecker. Aber richtig vorstellen kann ich es mir ehrlich gesagt nicht.

Gehört Alkohol zum Essengehen dazu?

Ich meine, gehört es nicht irgendwie zum "richtigen" Essengehen dazu, dass man nicht nur über die gereichten Speisen, sondern auch über den klug ausgewählten Wein ins Schwärmen geraten kann? Und so am Ende des Abends den Tisch nicht allein aufgrund der genossenen Gaumenfreuden euphorisch und leicht beschwingt verlässt? Wie dem auch sei – die kommenden sechs Wochen bieten ausreichend Zeit, mich selbst und meine Trinkgewohnheiten auch hinsichtlich solcherlei Annahmen kritisch zu hinterfragen.

Als weitere Einstimmung bin ich gestern beim Einkaufen mal wesentlich länger als sonst – Griff zum Orangensaft, zack, weiter – in der Softdrink-Sektion stehengeblieben, um mir in Ruhe anzusehen, was ich da sonst so alles verpasse. Sieht eigentlich ganz vielversprechend aus! Und heute Abend werde ich mir beweisen, dass man Risotto auch ganz ohne Weißwein kochen kann.

4 Kommentare

, am 01.03.2017 um 23:18

Und wie ist das Risotto geworden?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ohne Wein schmeckt,
berichte doch mal, wie du es gemacht hast.
Gruß Taphrina

Heidi, am 02.03.2017 um 17:51

Hallo Johannes,
darauf, was der Gastro-Trend "Saft- statt Weinbegleitung zum Menü" noch alles für Getränkekreationen hervorbringt, bin ich auch schon sehr gespannt. War erst kürzlich in einem Supper Club zu Gast, dort drehte sich ein Gespräch auch um die neuen "Säfte", die offenbar nicht nur qualitativ sondern auch preislich an das Niveau eines guten alkoholischen Tropfens ran kommen.

Johannes, am 05.03.2017 um 07:57

Hallo Namenskollege,
den ganzen Aufwand mit Wein und welcher zu welchem Essen am Besten passt, habe ich noch nie richtig verstanden. Habe es aber trotzdem gemacht, da es wohl dazugehört. Irgendwann ging ich dazu über, zum Essen ganz einfach nur Wasser (auch keine anderen Softtrinks) zu trinken, gerne mit Kohlensäure und kühl. Damit kann ich das Essen wunderbar genießen und der Geschmack ist auch viel intensiver. Nach dem Essen habe ich mir dann gerne ein Glas Wein bestellt. Es blieb interessanterweise dann auch meist bei nur einem Glas. Jetzt in der Fastenzeit trinke ich dieses Glas natürlich nicht.
Gruß
Johannes

Andrè, am 06.03.2017 um 20:29

Doch zum Essen einen passenden Wein, zu deftigen ein kühles gut gezapftes Bier. Zum Abschluss einen Schnaps. Seit uns die Werbung suggeriert welches Getränk zu welchem Essen passt, kann ich mir eine Pizza ohne ein Glas Wein kaum vorstellen. Rundet er doch den Geschmack ab. Ich liebe die Geschichten zu Wein, über die Menschen die den Wein hergestellt haben, die Regionen. Leider blieb es nie bei einem Glas.
Wie Du schreibst, die Alternative, Säfte bringen nicht wirklich dieses Gefühl, diesen Ersatz. Ich habe eine Weile mit alkoholfreien Weinen versucht. Es ist kein Ersatz, oder ich konnte damit nichts anfangen. Alkoholfreier Sekt passte ganz gut und mittlerweile lebe ich ganz gut mit alkoholfreiem Bier. Lässt mich das auch in einer Gesellschaft verschwinden, man sieht es dem Bier ja nicht an.
Bin gespannt 6 Wochen und viele gewohnte Ecken.

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