Klarer Kopf aber schwindende Motivation

von Ben 07.03.2018

Halbzeit, das heißt ich starte bereits in die vierte Woche der Fastenaktion ohne Alkohol. Häufig wird von einem Motivationstief genau in dieser Zeit berichtet und es ist tatsächlich so: ich bin leicht genervt und bei weitem nicht mehr so voller Elan wie noch zu Beginn. 

Brille verändert Sichtweise. Grauer Wald erscheint bunt.
Bild: SasinParaksa / iStock

 

Die Gründe dafür sind verschieden, vor allem aber ärgert es mich, viele Einladungen und Termine nicht ohne weiteres wahrnehmen zu können. Lediglich eine Presseinladung zum Starkbier-Anstich konnte ich getrost ablehnen, da ich trotz sonst motiviertem Bierkonsum eher nicht so der malzige Typ bin und mir die gerade hier in Bayern gefeierte „Fünfte Jahreszeit“ nicht sonderlich zusagt. Einen entsprechenden Text hierzu konnte ich allerdings auch gut „kalt“ schreiben. Job also getan und Kopf wie Leber blieben unversehrt. Aber Bar-Eröffnungen, kleine Showcases und, und, und… da fällt es nach wie vor enorm schwer auf Alkohol komplett zu verzichten.

Und so bin ich in der letzten Woche dann doch mal rückfällig geworden. Das allerdings mit Vorsatz, denn die Einladung der Stammbar, die neue Cocktailkarte auszuprobieren und zu bewerten, würde wohl niemand ausschlagen. In homöopathischen Dosen verabreicht, wirkte es allerdings nicht so, als ob ich wie gewohnt Alkohol trinken würde. Nein, viel bewusster als sonst habe ich den Geschmack von Gin, Wermut und anderen Spirituosen wahrgenommen, und auch deren Wirkung. Nicht schlecht also, was man trotz der kleinen Sünde, nach so kurzer Zeit alles wieder viel intensiver wahrnimmt. Meine Sorge, nach drei Wochen ohne dann doch mit Schädel aufzuwachen, hat sich nicht erfüllt. Glück gehabt und weiter im Text.

Um mir doch noch etwas Motivation zurückzuholen, habe ich mich mit einem guten Freund unterhalten, der meinen Blick auf ein paar andere Dinge lenkte. Und so wurde mir schnell klar, dass ein kleiner Perspektivwechsel eventuell Abhilfe schaffen könnte. Denn der Auffassung, dass ich mich mit dem Fasten gerade einem Zwang aussetze, der stressig sein kann, entgegnete er, dass es viel mehr unsere Gewohnheiten sind, die uns im Griff haben. Mit dem bewussten Fasten würde ich also mit Mustern brechen, die durchaus negativ sind, mir aber als solche gar nicht oder nicht mehr auffallen. Der Tag, den ich ohne ein Schlückchen auskomme, wäre somit ein Stück Selbstbestimmung welches ich mir auf diese Weise zurückhole. Ganz unabhängig von der Gesellschaft, den Freunden oder eben dem mauen nichtalkoholischen Angebot bzw. dem alkoholischen Überfluss des Nachtlebens, treffe ich also bewusste Entscheidungen, die zu meinem Wohl beitragen.

Das klingt etwas philosophisch aber nicht schlecht, oder? Dann mal auf in die zweite Hälfte unseres Perspektivwechsels. Ein paar Hürden werden sicher wieder zu meistern sein, aber auch mit dem Verzicht auf Cola läuft es allmählich ganz gut. Auch wenn ich mir ein Glas nach dem Essen doch manchmal ganz lieb wäre…

 

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