Nach der Fastenzeit ist…

von Johannes 11.05.2017

Ein Mann springt in den Bergen über einen Felsspalt.
Bild: Everste / iStock

Drei Wochen sind seit Ostern und dem Ende der Fastenzeit schon wieder vergangen. Gerade komme ich aus der Kneipe, wo ich mich seit Ewigkeiten mal wieder mit meinem Freund Juri auf ein Bier getroffen habe. Natürlich ist es mal wieder nicht bei dem einen geblieben – bei ihm. Und auch bei mir ist zu der Rhabarber-Schorle noch ein Weißbier dazugekommen. Alkoholfrei, versteht sich.

Ich habe Juri ein bisschen erzählt über die Fastenaktion und das Nüchternsein, den neuen Job und die Liebe. Und von der schwangeren Freundin. Auf meine temporäre Abstinenz reagierte er, wie es die meisten Leute tun, mit denen ich ab und zu Bier trinken gehe: durchaus interessiert, mit einem Hauch von schlechtem Gewissen und immer wieder der Satz: "Sollte ich auch mal machen, aber…"

Aber, aber

Derartige Aber-Sätze habe ich wirklich oft gehört in den letzten Wochen. Wobei mir so gut wie alle Leute eher positiv begegnet sind als mit Unverständnis. Und ja, man kann sich auch auf ein Bier treffen, ohne tatsächlich ein Bier zu trinken! Hätte ich mir zu Beginn der Fastenzeit auch nur schwer vorstellen können. Überhaupt hätte ich nicht gedacht, dass mir der Verzicht, das Durchhalten so leicht fällt.

Zugegeben: Am Anfang war es nicht ganz einfach, das Umgewöhnen. Kein Bier zum Wochenendauftakt, kein Wein zu einem schönen Abendessen, kein Anstoßen mit dem Geburtstagskind und erst recht kein Absacker auf dem Weg nach Hause. Aber schon nach kurzer Zeit zeigt sich: Wochenende ist auch ohne Alkohol eine feine Sache, gutes Essen wird ohne Wein nicht schlechter und über Geburtstage, ja über das Leben an sich kann man sich auch nüchtern freuen. Ohne Katzenjammer am nächsten Morgen.

Insgesamt habe ich das Gefühl, um einiges bewusster, d.h. mehr im Moment zu leben, als ich es in den letzten Jahren getan habe. Ohne die regelmäßigen Fluchten aus dem Alltag, die für mich sonst das Trinken waren, bin ich irgendwie ausgeglichener, positiver, präsenter. Und das gefällt mir. Ich kann sogar sagen: Ich mag mich lieber so.

Die Challenge geht weiter

Deswegen habe ich schon lange vor Ostersonntag beschlossen: Ich lass das jetzt so. Zumindest ein volles Jahr lang. 6 1/2 Wochen kann ja schließlich jeder.

Es ist schon eine Weile her, dass ich mal auf einen nach Clickbait aussehenden Artikel gestoßen bin mit dem Titel "Was ich aus einem Jahr ohne Alkohol gelernt habe" oder so ähnlich. Gelesen habe ich ihn damals nicht; doch jetzt möchte ich am eigenen Leib erfahren, wie mein Leben so ist, sein kann, nüchtern, klar und frei. Ob ich das schaffe?

Ich werde berichten.

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