N E I N - Vier Buchstaben zum aushalten

von Carolin 22.02.2018

Die zweite Woche ohne Alkohol startete für mich gleich mit zwei großen Versuchungen. Der 19. Februar ist nicht nur Tag 6 des Verzichtens sondern auch der Geburtstag meiner guten Freundin. Die ist ebenfalls Mecklenburgerin und trinkfreudig.

Ein Stück Geburtstagskuchen auf den Teller tun.
Bild: shironosov / iStock

 

Versuchung Nr. 1: Brunch gegen 12 Uhr und meine Freundin bestellte sich einen Sekt. Ich reagierte einfach nicht, sondern blieb beim Latte Macchiato. Geschickt und zu meiner Verwunderung ohne Nachfrage meiner Freundin, musste ich den Sekt so nicht einmal bewusst ablehnen. Glück gehabt und dem „Nein“-sagen ohne Begründung noch mal entwischt. Doch innerlich war ich am Hadern, hielt mich schon fast für eine schlechte Freundin, weil ich am Geburtstag nicht auf das Geburtstagskind anstieß.

Versuchung Nr. 2: Am Abend ging es zum Italiener mit weiteren Freundinnen. Ein Abend, wie ich ihn liebe, stand also bevor: Gespräche, gutes Essen und leckerer Rotwein. Ich merkte schon, wie meine Gedanken kreisten. Einfach ‚nein‘ sagen? Ohne Begründung? Das kann nicht klappen! Oder doch einfach ein Glas mittrinken und einen Tag später beginnen?

Die Kellnerin kam. Meine Freundin bestellte eine Flasche Weißwein, da dachte ich, ich wäre fein raus, weil ich davon nicht mittrinken müsste. Doch den ganzen Abend gar nichts trinken, war noch unattraktiver als einmal Nein zu sagen. Also bestellte ich ein großes Mineralwasser.

Da waren sie dann auch, die erstaunten Gesichter meiner Freundinnen. „Willst Du nichts trinken?“ Und ich sagte darauf einfach „Nein“ – Pause – Pause – Räuspern, gefühlt minutenlang. Hatte ich sie jetzt alle enttäuscht?

Endlich. Das Geburtstagskind guckte skeptisch und sagte schließlich :“Mmh, geht‘s dir gut?“ Das konnte ich bestätigen, doch rechtfertigen tat ich mich nicht und hielt aus.

Ich weiß gar nicht genau wie, doch irgendwie ging die Situation vorüber und der Abend dann natürlich weiter. Es wurden nette Stunden. Und zu meinen anfänglichen Zweifeln, ob meine Freunde mich jetzt vielleicht seltsam finden könnten, gesellte sich auch ein bisschen Stolz. Ich knickte nicht gleich gleich am ersten Abend ein.

Doch „Nein“-sagen, ohne rechtfertigen und begründen, das musste ich tatsächlich aushalten und empfand dieses Aushalten als große Herausforderung, ungewohnt und unangenehm. Wie so oft bei Herausforderungen, tut es aber auch hier gut, sie gemeistert zu haben. 

Die nächsten Abende spielten mir übrigens zum Glück in die Karten: Tochter krank und ich deshalb mit meinem Partner abends zu zweit auf der Couch. Der fragte mich nicht mal, ob wir was trinken wollen, so erschöpft waren wir beide :).

 

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