Und führe mich nicht in Versuchung

von Johannes 14.03.2017

Eine einzelne Bierflasche liegt im Kühlschrank
Bild: pavlen / iStock

Die ersten anderthalb Wochen sind geschafft. Wobei ich zugeben muss, dass ich gleich am allerersten Tag schwach geworden bin.

Aschermittwoch, abends nach der Arbeit voller guter Vorsätze zum ersten Mal seit einer Ewigkeit mal wieder beim Yoga gewesen. Danach beim Abendessen festgestellt, dass da noch dieses eine Bier im Kühlschrank liegt. "Was mach ich jetzt damit?", dachte ich mir. Sechs Wochen lang liegen lassen, auf dass es mich jedes Mal anlacht, wenn ich zum Kühlschrank gehe? Und führe mich nicht in Versuchung…

Wegschütten fand ich auch keine gute Option – also habe ich es einfach getrunken. So wie man sich da, wo ich herkomme, Stärk’ antrinkt zu Beginn des neuen Jahres. Oder wie am politischen Aschermittwoch. Alles Ausreden. Aber gestärkt hat es mich tatsächlich. Oder vielmehr – in Kombination mit meinem schlechten Gewissen – den Entschluss, mir den Rest der Zeit keine Ausrutscher mehr zu erlauben.

Gemeinsam fasten – selbst wenn man alleine ist

Am Freitag auf dem Geburtstag ist es mir auch überraschend leichtgefallen, beim Wasser zu bleiben. Allerdings war es nicht gerade eine ausschweifende Party, sondern eher ein gediegenes Abendessen im größeren Kreis. Wobei, wie bei solchen Anlässen üblich, schon nicht wenig getrunken wurde. Auf die Frage hin, warum ich nichts trinke, entspann sich ein kurzes Gespräch über das Fasten an sich und darüber, warum so viele Leute die Fastenzeit zum Anlass nehmen, für einige Wochen auf Alkohol, Kaffee, Zucker oder Ähnliches zu verzichten. Etwas, das sie sonst im Jahresverlauf nicht tun. Obwohl ich nicht glaube, denke ich, dass es eben diese kalendarische Verankerung ist, die einen guten Rahmen schafft. Und damit einhergehend die Gewissheit, dass Mensch nicht alleine ist damit, sondern Teil einer Gemeinschaft. Selbst dann, wenn er der Einzige im Raum ist, der gar nichts trinkt.

Und es war ein schöner Abend! Zumal es nicht uninteressant ist, den anderen dabei zuzusehen, wie sie mit jedem Glas ausgelassener, ja heiterer werden, die Wangen röter und das Lachen lauter. Und zu bemerken, wie die meisten eher gemäßigt, einige jedoch erstaunlich viel trinken. Was wiederum die Frage aufwirft, wie sonst andere mein „reguläres“ Trinkverhalten wohl sehen und bewerten mögen.

Kater trotz Wasser?

Sehr zu meiner Überraschung bin ich am anderen Morgen reichlich verkatert aufgewacht. Nichts allzu Ungewöhnliches für mich an einem Samstag, leider. Aber ich hatte doch gar nichts getrunken!? Der Kater entpuppte sich dann im Lauf des Wochenendes als Vorbote eines recht fiesen grippalen Infekts, weswegen das körperliche Hochgefühl, das ich mir als Folge meiner Abstinenz versprochen hatte, bislang noch auf sich warten lässt. Trotzdem: Den 10-Euro-Gutschein meines Weinhändlers, den ich die Woche im Briefkasten hatte, habe ich direkt ins Altpapier entsorgt.

1 Kommentar

Silke, am 19.03.2017 um 06:53

Also, ich habe nicht durchgehalten....Aber meinen Alkoholkonsum stark reduziert. Eigentlich dachte ich, ich halte es sowieso nicht durch, obwohl ich schon 14 Tage "ohne" war. Ich merke aber auch, dass die Alkoholmengen schleichend mehr werden und habe Angst davor. Werde ab heute, auch in Vorbereitung eines Halbmarathones im Mai, Schluss damit machen. Loslassen, nicht ein bisschen, sondern ganz. Wahrscheinlich muss ich meine ganze Ernährung etwas umstellen. Bei mir stellte sich heraus, dass ich Wein oft sowohl aus Genuss als auch zur reinen Energieaufnahme aus Hunger zu mir nahm. An diesem Punkt werde ich ansetzen. Ich bin also wieder dabei. Stecke schon in Sportschuhen und auf geht's zum Morgenlauf. Im Arbeitsalltag, wenn ich spät nach Hause komme, muss ich mir einen Plan ausdenken, da war die Gefahr am größten. Aber ich will das schaffen, eigentlich für immer. Ist der erste Tag geschafft, geht's am nächsten Tag besser. Eigentlich habe ich auch gar keine Alternative, wenn ich fit bleiben will.

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