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Alkohol und Depressionen

Alkoholprobleme und Depressionen hängen oft zusammen. Doch trinkt man, weil man depressiv ist? Oder wird man depressiv, weil man trinkt?

Das Wichtigste in Kürze

  • Alkohol und Depressionen verstärken sich gegenseitig. Menschen mit Depressionen sollten daher auf Alkohol ganz verzichten. 
  • Eine Depression kann die Ursache eines Alkoholproblems sein. Denn Alkohol kann die Symptome der Depression scheinbar lindern, die Depression als Grunderkrankung bleibt aber bestehen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der in immer höheren Alkoholkonsum mündet.
  • Ebenso kann eine Depression durch ein Alkoholproblem entstehen oder verstärkt werden. Denn hoher Alkoholkonsum verändert auf lange Sicht die Gehirnstruktur.
  • Die Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen verträgt sich in den meisten Fällen nicht mit dem Alkoholkonsum, sie kann gefährliche Nebenwirkungen haben.

Was ist eine Depression?

Gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, sich müde und schlapp fühlen – solche Tage kennt wahrscheinlich jeder. Bei depressiven Menschen sind solche Gefühle häufig und viel stärker. Die Niedergeschlagenheit hört nicht mehr auf, das Leben erscheint unerträglich. Eine Depression ist keine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit oder ein Stimmungstief, sondern aus medizinischer Sicht eine ernsthafte Erkrankung. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich von ihren negativen Gedanken und Gefühlen kaum mehr selbst befreien.

Wie hängen Alkoholprobleme und Depressionen zusammen?

Nach Schätzungen sind 15 bis 20 Prozent aller Menschen in Deutschland einmal im Leben von einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

In Deutschland leben etwa 1,4 Millionen Menschen, bei denen ein Alkoholmissbrauch vorliegt, etwa 1,7 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Etwa 30 Prozent von ihnen leiden zusätzlich an Depressionen, bei den Männern 24 Prozent und bei den Frauen etwa 49 Prozent. Unter Menschen mit Alkoholproblemen ist die Depression also weiter verbreitet als in der Gesamtbevölkerung.

Wird man depressiv, weil man trinkt? Oder trinkt man, weil man depressiv ist? Beides trifft zu. Denn es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Alkohol und der Entwicklung einer Depression.

Depression als Auslöser von Alkoholmissbrauch

In den meisten Fällen entsteht die Alkoholabhängigkeit als eine Folge der Depression. Denn viele depressive Menschen trinken Alkohol, um die Symptome der Depression zu dämpfen.

Depressionen erzeugen Lustlosigkeit, Reizbarkeit, negative Gefühle. Das Leben erscheint langweilig und sinnlos. Alkohol dagegen hebt die Stimmung, schafft künstlich Euphorie und Wohlgefühl. Alkohol macht gesprächig und selbstsicher, baut Ängste ab und enthemmt – also genau das, was eine Depression kurzfristig lindert. Alkohol ist daher die vermeintlich passende „Medizin“. Doch der Alkoholkonsum führt selbst wieder zu Gereiztheit und Unwohlsein. Der anschließende Kater durch den Alkohol bietet für die Betroffenen wiederum ein passendes Erklärungsmuster für den erlebten Trübsinn und die Antriebslosigkeit, und erscheint zudem sozial akzeptiert. Die Depression als Grunderkrankung bleibt aber bestehen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der in immer höheren Alkoholkonsum mündet.

Menschen mit Depressionen müssen daher besonders achtsam mit ihrem Alkoholkonsum umgehen. Sie haben ein erhöhtes Risiko, eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Zur Verbesserung der depressiven Symptome ist Alkohol auf gar keinen Fall geeignet, da er auf längere Sicht die Neigung zur Niedergeschlagenheit, zur Entwicklung oder Verfestigung der Depression bis hin zur Selbstmordgefährdung verstärkt.

Alkoholmissbrauch als Auslöser von Depression

Hoher Alkoholkonsum kann aber auch dazu beitragen, dass sich eine Depression erst entwickelt. Der Grund dafür: Alkohol greift in die Wirkmechanismen des Gehirns ein. Wie andere Drogen auch beeinträchtigt Alkohol direkt die Botenstoffe und die Reizübermittlung im Gehirn. Das Gehirn passt sich an die regelmäßige Stimulation durch Alkohol an, so dass der Ausnahmezustand nach und nach zur Regel wird. Wird also durch den Alkohol ständig ein anregender Stoff freigesetzt, verringert das Gehirn seine dafür zuständigen Rezeptoren, damit es nicht zu einem Überangebot kommt. Fällt die Stimulation weg, kommt es zu Entzugserscheinungen. Schon die fortgesetzte Stimulierung und Aktivierung bestimmter Hirnzentren verändert die Gehirnstruktur auf lange Sicht. Das kann unter anderem Depression auslösen oder verstärken.

Neben den direkten Effekten des Alkohols auf das Gehirn können auch die negativen sozialen Konsequenzen des Alkoholmissbrauchs wie Einsamkeit zu einer Depression führen.

Auch solche Depressionen, die durch den Alkoholkonsum hervorgerufen wurden, müssen als psychische Krankheit behandelt werden.

Vorsicht im Umgang mit Alkohol 

Einen risikoarmen Alkoholkonsum gibt es für Menschen, die an depressiven Verstimmungen leiden, nicht. Sie sollten gar keinen Alkohol trinken. Denn sie haben ein höheres Risiko, eine Abhängigkeit oder ein missbräuchliches Konsumverhalten zu entwickeln. Studien belegen außerdem, dass Alkoholkonsum eine bestehende Depression verschlimmern kann.

Alkohol kann Frust und Angst nicht vertreiben

Gerade die zurzeit mit dem neuartigen Coronavirus (COVID-19) verbundene Belastung macht die Situation für depressive Menschen schwieriger. Denn durch die Depression wird das Negative besonders wahrgenommen. Die Sorgen und Ängste, z.B. vor einer Erkrankung durch das Coronavirus, erscheinen besonders bedrückend. Die Einschränkungen des täglichen Lebens stellen eine zusätzliche Herausforderung dar, denn Möglichkeiten der Ablenkung und der Entspannung fallen weg.

Besonders in so einer Situation ist es wichtig, nicht zum Alkohol zu greifen. Wer alleine oder aus Langeweile trinkt, verstärkt die Niedergeschlagenheit und bestehende Depressionen nur.

Und auch wenn Sie Sorgen oder Stress haben, ist Alkohol tabu. Denn der Alkohol überdeckt diesen Druck nur, und das kann die negativen psychischen Folgen verstärken. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollten sich daher grundsätzlich vom Alkohol fernhalten. 

Bevor es soweit kommt können Sie einiges tun:

  • Eine feste Tages- und Wochenstruktur kann dabei helfen, nicht in die gefährliche Depressionsschwere zu verfallen. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt dazu einige konkrete Tipps
  • Räumen Sie Ihre Alkoholvorräte weit weg, am besten in den Keller, und lassen Sie beim Einkaufen die alkoholischen Getränke einfach weg. 
  • Falls Sie trotzdem die Lust überkommt, etwas Alkoholisches zu trinken, versuchen Sie, mit unseren Tipps, Ihr Verlangen zu überlisten.

Kein Alkohol bei Einnahme von Antidepressiva

Nicht selten werden Medikamente, sogenannte Antidepressiva, zur Verbesserung der depressiven Symptome verschrieben. Sie können die Behandlung positiv unterstützen. Bei fast allen heute gebräuchlichen Antidepressiva wird von der gleichzeitigen Einnahme von Alkohol dringend abgeraten, denn die Wechselwirkungen sind unvorhersehbar und können sehr schwer sein.

Brauchen Sie Hilfe?

Wenn Sie merken, dass Sie wegen psychischer Probleme zum Alkohol greifen, holen Sie sich Hilfe! Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern eine kluge Entscheidung.

  • Eine erste Anlaufstelle ist der Hausarzt oder die Hausärztin.
  • Bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe können Sie eine psychologische Beratungsstelle in Ihrer Nähe suchen.
  • Kostenfrei nutzen können Sie das deutschlandweite Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33.
  • Bei einer Suchtberatungsstelle können Sie auch telefonisch mit erfahrenen Beraterinnen und Beratern über Ihre Situation sprechen. Gemeinsam können Sie mögliche Lösungen diskutieren und weitere Schritte planen.
  • Manchmal kann es guttun, erst einmal mit jemandem über Sorgen und Ängste zu sprechen. Bei der Telefonseelsorge bekommen Sie rund um die Uhr Unterstützung, und das kostenlos und anonym unter den Nummern 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
  • Und in Notfällen steht die nächste psychiatrische Klinik oder der Notarzt unter der Telefonnummer 112 zu Verfügung.