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Zu alt für Alkohol?

Fakt ist: Der Körper verändert sich mit zunehmendem Alter. Aber welche Konsequenzen hat das nun genau für Ihren Alkoholkonsum?

Warum es nie zu spät ist für neue Gewohnheiten

Rund 14.500 Menschen über 60 Jahre mussten 2015 in Deutschland wegen eines akuten Alkoholrauschs im Krankenhaus behandelt werden. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Die Daten zeigen außerdem: Es sind rund 4.600 Fälle mehr als noch zehn Jahre zuvor. 2005 behandelten die Krankenhäuser 9.900 Über-60-Jährige, die mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert wurden. Die Gründe für den Alkoholkonsum im Alter sind vielfältig. Viele ältere Menschen leben einsam und isoliert. Der Partner ist tot, die Angehörigen leben weit entfernt, tragfähige Freundschaften und enge Bekannte fehlen. Als Rentner fühlen sie sich von der Gesellschaft nicht mehr gebraucht. Zudem fehlt die soziale Kontrolle durch den Lebenspartner oder Kollegen. Niemand interessiert sich für sie oder die Tatsache, dass sie trinken. Zudem gehören die heute über 60-Jährigen zu der 68er-Generation, die einen nachlässigeren Umgang mit Rauschmitteln pflegt als die Generation ihrer Eltern. Der erhöhte Alkoholkonsum im Alter ist demnach ein tradiertes Element aus einer Zeit, in der Alkohol zu trinken noch weniger kritisch hinterfragt wurde.

Zwar trinken die Deutschen mit steigendem Alter tendenziell immer weniger Alkohol, was vielen von ihnen aber nicht bewusst ist: Sie vertragen auch weniger als früher. Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen können die Körperzellen Wasser nicht mehr so gut speichern wie früher. Der Flüssigkeitshaushalt des Körpers sinkt. Das wiederum hat zur Folge, dass dieselbe Menge getrunkenen Alkohols jetzt zu einer höheren Blutalkoholkonzentration führt. Zum anderen arbeitet die Leber mit steigendem Alter langsamer. Der Stoffwechsel wird träger und Alkohol nicht mehr so schnell abgebaut.

Die Folgen von Alkoholkonsum im Alter

Insbesondere der älter werdende Organismus erleidet in hohem Maße gesundheitliche Schäden durch einen zu hohen Alkoholkonsum. Körper und Geist werden gleichermaßen geschädigt, die fragile Lebensqualität im Alter ist in Gefahr. Wer langfristig zu viel trinkt, gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern verringert auch seine Möglichkeit, ein selbstständiges, selbstbestimmtes und aktives Leben im Alter zu führen. 

  • Je älter man wird, desto geringer ist der Wasseranteil im Körper. Die gleiche Menge getrunkenen Alkohols verteilt sich bei älteren Menschen auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einem höheren Alkoholspiegel.
  • Die Leber arbeitet nicht mehr so gut wie früher. Kleine Mengen von Alkohol können jetzt schon betrunken machen.
  • Im betrunkenen Zustand erhöht sich die Gefahr von Stürzen, Unfällen und schweren Verletzungen wie beispielsweise Oberschenkelhalsbrüchen.
  • Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt nach.
  • Die Gedächtnisleistung sinkt.
  • Alterserkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck werden durch Alkohol verschlimmert.
  • Wer betrunken Auto fährt, kann seinen Führerschein verlieren und damit ein wichtiges Stück der wertvollen eigenen Beweglichkeit.

Ein problematisches Trinkverhalten ist bei Senioren zudem nicht immer leicht auszumachen. Häufig werden die Folgen eines Alkoholproblems mit Alterserscheinungen verwechselt. Schlafstörungen, Orientierungslosigkeit oder Nachlässigkeit bei der Hygiene können altersbedingt sein oder aber auf einen zu hohen Alkoholkonsum hinweisen. Doch es ist nie zu spät, dem Alkohol zu entsagen.

Veränderte Empfehlungen ab dem 65. Lebensjahr

Mit steigendem Alter ist es deshalb ratsam, mit Alkohol besonders vorsichtig umzugehen und deutlich weniger Alkohol zu trinken. Wie viel Alkohol für ältere Menschen gesundheitlich unbedenklich ist, dazu äußern sich Experten zum Teil nur ungern. Nicht so das amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA): Das NIAAA setzt ab dem 65. Lebensjahr eine Grenze und empfiehlt den Über-65-Jährigen andere Grenzwerte für einen risikoarmen Alkoholkonsum als jüngeren Menschen.

Lag die empfohlene Grenze bisher für Frauen bei 12 Gramm reinen Alkohols pro Tag und für Männer bei 24 Gramm, verringert sich dies mit dem 65. Geburtstag – vor allem für Männer. Es gelten jetzt maximal 10 Gramm reiner Alkohol täglich für Männer und Frauen. Zwei Tage pro Woche sollten ganz alkoholfrei sein. 10 Gramm reiner Alkohol stecken beispielsweise in einem kleinen Glas Bier (0,25 Liter) oder Wein (0,1 Liter). 
Diese Grenzwerte hat längst nicht jeder im Blick. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der Männer über 60 und immerhin noch fünf bis zehn Prozent der Frauen über 60 Alkohol so konsumieren, dass er ihrer Gesundheit schadet.

Vorsicht mit der Kombination von Alkohol und Medikamenten

Übrigens kann abgesehen von der Menge auch die Kombination von Alkohol und Medikamenten schädlich für die Gesundheit sein. Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen und Erbrechen sind nur einige der möglichen Nebenwirkungen. Außerdem kann es sein, dass der Alkohol die Wirkung eines Medikaments verringert bzw. ganz aufhebt oder auch unkontrollierbar verstärkt. Im schlimmsten Fall ist die Kombination von Alkohol und Medikamenten sogar lebensbedrohlich.

Viele sagen sich jetzt möglicherweise: "Aber in dem Alter ändert man doch seine Trinkgewohnheiten nicht mehr." Gegenfrage: Warum denn nicht? Ältere Menschen können ihre Gewohnheiten genauso verändern wie jüngere Generationen. Und es lohnt sich: Studien zeigen eindeutig, dass der Verzicht oder die Reduktion von Alkohol nachweislich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit hat, auch und besonders im Alter. Es lohnt sich also, mindestens den Versuch zu unternehmen.

Auf unseren Seiten "Für Ältere" finden Sie viele weitere Informationen rund um den Alkoholkonsum ab 65. Mit dabei sind auch Inhalte für Fachkräfte und Ehrenamtliche, die sich um Senioren kümmern, sowie für Menschen, die sich Gedanken um den Alkoholkonsum eines älteren Angehörigen machen.
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