
Wann haben Sie zuletzt an Ihre Leber gedacht? Der 27. Deutsche Lebertag am 20. November 2026 ist ein guter Anlass, einen genaueren Blick auf dieses wichtige, aber oft unterschätzte Organ zu werfen. Und vielleicht sehen Sie es dann ähnlich wie Prof. Dr. Helmut K. Seitz, Direktor des Alkoholforschungszentrums (AFZ) an der Universität Heidelberg. Er sagt: „Die Leber ist das Zentrum des Seins.“
Das mag Ihnen auf den ersten Blick etwas übertrieben vorkommen. Aber wissen Sie, welche wichtigen Aufgaben Ihre Leber übernimmt? „Die Leber ist das entscheidende Entgiftungsorgan des Körpers und steht bei allen Stoffwechselprozessen im Zentrum“, sagt Prof. Seitz. Sie produziert Eiweiß und reguliert unseren Blutzucker. Trinken wir Alkohol, werden bis zu 95 Prozent davon in der Leber abgebaut.
Doch auch unsere Leber stößt irgendwann an ihre Grenzen. Wer zum Beispiel regelmäßig viel Alkohol trinkt, dessen Leber beginnt zu verfetten. Dann bilden sich Entzündungen in der Leber, bis schließlich die Fibrose einsetzt. Das bedeutet, dass der Alkohol Leberzellen zerstört hat, die nun von Narbengewebe ersetzt werden. Im schlimmsten Fall führt das zu einer sogenannten Leberzirrhose, die sogar lebensgefährlich sein kann. Bei der Zirrhose schrumpft die Leber immer mehr, das Lebergewebe verhärtet und verliert nach und nach an Funktionalität.
„Die Leber verzeiht Ihnen vieles“, sagt Prof. Seitz. „Und sie macht keine Schmerzen.“ Oft würden Leberschäden deshalb nur durch Zufall entdeckt. Dabei lassen unsere Leberwerte durchaus Rückschlüsse darauf zu, wie es dem Organ geht. Grund genug für die Initiatoren des Deutschen Lebertages, in diesem Jahr das Motto „Wissenswerte Leberwerte“ auszurufen. Denn routinemäßig werden die Leberwerte bislang nur selten bestimmt. Sie sollten deshalb Ihre Ärztin oder Ihren Arzt direkt darauf ansprechen.
Sind Leberzellen geschädigt, erklärt Prof. Seitz, sind in unserem Blut zwei Leberwerte erhöht: der GPT-Wert (ALT) und der GOT-Wert (AST). Je nachdem, welcher dieser beiden Werte höher ist, ist wahrscheinlich Alkohol die Ursache für den Leberschaden. Allerdings sind die Werte nur zu Beginn einer Schädigung erhöht. Leidet jemand bereits an einer Zirrhose, finden sich im Blut darauf keine Hinweise mehr. Eine Methode, mit der sich eine Leberzirrhose erkennen lässt, ist dann der sogenannte FibroScan, eine Ultraschalluntersuchung.
Umso wichtiger ist es also, frühzeitig zu reagieren. Denn solange sich Schäden noch im Anfangsstadium befinden, die Leber also verfettet oder entzündet ist, aber noch keine Zellen zerstört sind, könne sie sich noch vollständig regenerieren, so Prof. Seitz. Er empfiehlt deshalb, regelmäßig für einige Wochen ganz auf Alkohol zu verzichten: „Das tut der Leber gut.“ Und nicht nur das: Die Alkoholpause sei außerdem eine Möglichkeit, sich selbst zu prüfen. Kann ich einige Wochen auf Alkohol verzichten? Wenn Sie diese Frage für sich mit Nein beantworten müssen, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Abhängigkeit sein. Unterstützungsangebote finden Sie auf unserer Seite „Alkoholberatung“.
Außerdem gilt: Je weniger Alkohol Sie trinken, desto weniger Acetaldehyd produziert Ihr Körper. Acetaldehyd entsteht in der Leber beim Abbau von Alkohol und ist zum Beispiel für den Kater am Tag danach mitverantwortlich. Aber nicht nur das: Der Stoff kann außerdem Nerven und Knochenzellen schädigen und erhöht das Risiko, an Leber-, Speiseröhren-, Mundraum- oder Brustkrebs zu erkranken. Ein Risiko, das Sie selbst senken können. „Jeder hat sein Schicksal in den eigenen Händen“, sagt Prof. Seitz. „Sie können einfach aufhören, Alkohol zu trinken.“ Und schon jedes Glas weniger entlastet die Leber.